Ein Star mit schlüpfriger Vergangenheit
Vergiss mal kurz den ganzen Hipster-Toast-Hype. Die Avocado ist nämlich viel mehr als nur ein teures Instagram-Model. Ursprünglich kommt sie – wie ihre Freundin die Tomate – aus den tropischen Regenwäldern Mexikos. Und die Azteken, die hatten Humor. Sie nannten den Baum „Ahuacatl“. Das bedeutet übersetzt so viel wie – festhalten – Hoden. Wahrscheinlich, weil die Früchte immer paarweise am Baum hängen. Tja, dieses Bild kriegst Du jetzt so schnell nicht mehr aus dem Kopf, gern geschehen!
Die Spanier konnten das Wort „Ahuacatl“ nicht aussprechen (oder es war ihnen zu peinlich), und machten daraus „Avocado“. Lange Zeit galt sie als pure Luxusware, quasi die Butter für Reiche. Heute ist sie der absolute Superstar in der Gemüseabteilung, auch wenn sie ökologisch durch den hohen Wasserverbrauch und weite Transportwege manchmal ein bisschen in der Kritik steht. Deshalb gilt hier: Bewusst genießen und jeden Bissen zelebrieren.
Was wäre ein modernes Frühstück ohne sie? Oder ein gemütlicher mexikanischer Abend ohne Guacamole? Eben. Ziemlich trocken.
Hass oder nicht Hass, das ist hier die Frage
Anders als bei Tomaten, wo es gefühlt drei Millionen Sorten gibt, konzentriert sich unser Supermarkt-Game eigentlich nur auf zwei Hauptdarsteller. Klar, weltweit gibt es über 400 Sorten, aber seien wir realistisch, bei uns landen meist nur diese beiden im Einkaufswagen:
Die „Fuerte“: Das ist die mit der glatten, grünen Schale, die wie eine Birne aussieht. Sie ist eher mild, hat weniger Fett und lässt sich manchmal schwerer schälen.
Der wahre Champion ist aber die „Hass“ (benannt nach einem Postboten namens Rudolph Hass, kein Witz). Sie ist klein, rundlich und hat diese dunkle, buckelige, fast schwarze Schale. Sieht von außen vielleicht nicht so hübsch aus wie die Fuerte, aber innen? Ein Traum. Cremig, nussig und intensiv. Wenn Du Guacamole machen willst, ist die Hass Deine beste Freundin.
Warum Avocados quasi die Creme de la Creme für Deine Gesundheit sind
Es gibt Leute, die haben Angst vor Avocados, weil sie „so viel Fett“ haben. Bullshit. Also ja, sie haben Fett. Viel sogar. Aber Fett ist nicht gleich Fett. Die Avocado liefert Dir ungesättigte Fettsäuren, und die sind Balsam für Deinen Körper (und Deinen Cholesterinspiegel). Sie ist quasi die gesunde Butter, die auf Bäumen wächst.
Dazu kommt eine Wagenladung Kalium (mehr als in Bananen!), was gut für Muskeln und Nerven ist. Auch Vitamin E und B-Vitamine sind reichlich am Start. Das sorgt für schöne Haut und entspannte Nerven. Außerdem hilft das Fett der Avocado Deinem Körper dabei, Vitamine aus anderen Lebensmitteln (wie dem Salat oder den Tomaten dazu) überhaupt erst aufzunehmen. Sie ist also ein echter Teamplayer auf dem Teller.
Also: HABT KEINE ANGST VOR DEM FETT! ... Zumindest nicht vor diesem.
Das Drama mit der Reife und wie man sie selber zieht
Hand aufs Herz: Wir alle kennen das „Avocado-Fenster“.
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Tag 1: Hart wie ein Stein. Waffe zur Selbstverteidigung.
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Tag 2: Immer noch hart.
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Tag 3, 14:00 Uhr: Perfekt.
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Tag 3, 14:15 Uhr: Braun, matschig, vorbei.
Um den perfekten Moment abzupassen, drück bitte nicht wild auf der Frucht herum (das gibt nur braune Dellen). Schau Dir den kleinen Stielansatz oben an. Lässt der sich leicht lösen und es ist drunter grün? Jackpot.
Selbst anbauen? Ein Geduldsspiel für die Fensterbank.
Im Garten wird das hierzulande leider nichts, dafür ist es der Avocado zu kalt (Frost mag sie gar nicht). Aber Du kannst Dir aus dem Kern eine wunderschöne Zimmerpflanze ziehen. Früchte wird die wahrscheinlich nie tragen (oder erst nach 10 Jahren), aber sie sieht schick aus.
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Kern retten: Kratz die Guacamole-Reste ab, aber lass die braune Haut am Kern dran.
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Zahnstocher-Methode: Pieks drei Zahnstocher seitlich in den Kern und häng ihn mit dem flachen Ende nach unten in ein Glas Wasser. Das untere Drittel sollte im Wasser stehen.
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Warten: Stell das Glas hell und warm auf. Nach ein paar Wochen (Geduld!) spaltet sich der Kern und eine Wurzel kommt raus. Irgendwann folgt der Trieb nach oben.
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Eintopfen: Wenn die Pflanze ein paar Blätter hat, ab in einen Topf mit Erde. Und zack, hast Du Dschungel-Feeling im Wohnzimmer.
Das kannst Du mit Avocados Leckeres anstellen:
Avocado-Erbsen-Curry-Dip
Sehr intensiver Dip, der super zu Steak & Hähnchen passt. Aber auch zu Tortilla-Chips :)
Tomaten-Linsensalat mit Avocado
Ein sommerlich leichtes, vegetarisches Gericht für heiße Sommertage.