Ein diplomatisches Minenfeld
Wenn Du einen Krieg auf dem Balkan anzetteln willst, stell Dich auf einen Marktplatz und rufe: „Ajvar kommt ursprünglich aus [hier beliebiges Land einfügen]!“ Egal ob Serbien, Nordmazedonien, Kroatien oder Bosnien: jeder beansprucht für sich, den einzig wahren, heiligen Gral des Paprika-Mus erfunden zu haben.
Der Name leitet sich übrigens vom türkischen Wort „Havyar“ ab, was Kaviar bedeutet. Früher war echter Kaviar nämlich teuer (ja gut, hat sich nix dran geändert ...), und da Paprika in der Region wuchs wie Unkraut, machten die Leute eben den „Kaviar des kleinen Mannes“ daraus. Heute ist gutes, handgemachtes Ajvar fast genauso kostbar, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit da drinsteckt.
Traditionell ist die Ajvar-Herstellung im Herbst nämlich ein riesiges Event. Da stehen die Omas (und die, die zwangsverpflichtet wurden, also meist die Enkel) in den Gärten an riesigen Töpfen und rühren stundenlang. Und mit stundenlang meine ich: Bis der Arm abfällt.
Das Reinheitsgebot gibt's nicht nur beim Bier
Gehst Du in den deutschen Supermarkt, findest Du meistens Gläser, auf denen „Ajvar“ steht, in denen aber oft mehr Karotte oder Verdickungsmittel schwimmt als Paprika. Das ist – Verzeihung – Frevel.
Beim echten Ajvar gibt es im Grunde zwei Lager, die sich (fast) so sehr bekriegen wie die Ursprungsländer:
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Die Puristen: Nur rote Spitzpaprika. Öl. Salz. Vielleicht ein Hauch Essig. Ende der Durchsage.
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Die Gemäßigten: Paprika und Aubergine. Die Aubergine macht das Ganze cremiger und etwas milder. Dazu oft Knoblauch und Chili.
Und dann gibt es natürlich noch die Schärfe-Skala. Von „Slatki“ (süß/mild) bis „Ljuti“ (scharf), wo es Dir die Socken auszieht. Was davon „das Beste“ ist? Geschmackssache. Aber wenn „Stärke“ auf der Zutatenliste steht: Stell es wieder weg. Sofort.
Welche Auswirkungen hat Ajvar auf die Gesundheit?
Kommen wir zu den guten Nachrichten: Ajvar ist quasi Gemüse zum Streichen. Da die Hauptzutat rote Paprika ist, ist das Zeug eine absolute Vitamin-C-Bombe. Rote Paprika haben bekanntlich mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen. Wenn Du also im Winter Dein Immunsystem boosten willst, vergiss den heißen Tee, iss ein Cevapcici mit Ajvar.
Dazu kommt das Capsaicin (wenn Du die scharfe Variante wählst), das den Stoffwechsel anregt und Glückshormone freisetzt. Und da es (im Gegensatz zu Nutella) fast nur aus Gemüse und Öl besteht, ist es vegan, glutenfrei und passt in fast jeden modernen Diät-Trend, von Low-Carb bis Paleo.
Einziger Haken: Das Öl. Gutes Ajvar schwimmt oft darin, damit es haltbar bleibt. Aber hey, es ist meistens gutes Sonnenblumen- oder Olivenöl. Das schmiert die Gelenke ... oder so.
Das kannst Du mit Ajvar anstellen, außer ihn als Dip zu genießen:
Gefüllte Champignons mit Putenbrust auf Salat
Absolut schnell gemacht und somit was für einen entspannten Abend.
Frikadellen auf Ajvar-Spitzkohl
Ein leicht scharfes Low-Carb Gericht mit etwas anderen Frikadellen/Buletten/Hackfleischklößen/....