Wer hat eigentlich als erstes am Baum geleckt?

Hast Du Dich das auch schon mal gefragt? Wer steht im Wald, sieht einen Baum und denkt sich: „Den bohr ich jetzt an und koch das Zeug, das da rausläuft, stundenlang ein.“? Danke an dieser Stelle an die indigenen Völker Nordamerikas. Die haben das nämlich entdeckt. Einer Legende nach hat ein Eichhörnchen den Saft genascht, einer anderen zufolge hat jemand sein Kochwasser einfach aus dem Baum geholt und oops – beim Kochen wurde es süß.

Fakt ist: Ahornsirup ist Kanada in Flaschenform. Das rote Blatt auf der Flagge ist da ja nicht aus Versehen drauf. Die Herstellung ist dabei ein echter Knochenjob für den Baum und den Farmer. Man braucht nämlich sage und schreibe 40 Liter von dem Baumsaft, um einen einzigen Liter Sirup zu bekommen. Das ist eine Quote, bei der jeder BWLer Schnappatmung bekommt.

Der Saft wird im Frühjahr gezapft, wenn die Bäume die Reserven aus den Wurzeln nach oben pumpen. Dann wird gekocht, bis das Wasser verdampft ist und nur noch die pure, klebrige Süße übrig bleibt. Kein Chemiebaukasten, einfach nur Natur pur. Zumindest, wenn man nicht den billigen „Sirup mit Ahorngeschmack“ kauft. Finger weg davon!.

Das große Wirrwarr mit dem Grad

French Toast mit Erdbeeren und Heidelbeeren, auf den gerade Ahornsirup gegossen wird.

Stehst Du auch manchmal vor dem Regal und fragst Dich: „Nehm ich jetzt Grad A oder Grad C?“ Früher hieß es bei uns immer: Grad A ist der feine Helle, Grad C ist der dunkle Kräftige. Viele dachten, C sei minderwertig, dabei ist der eigentlich der Aromatischere.

Inzwischen haben die Kanadier und Amerikaner das System vereinheitlicht, um uns komplett zu verwirren. Es heißt jetzt fast alles "Grade A", aber mit Farbbezeichnungen:

  • Golden (Delicate Taste): Der ganz Helle. Schmeckt sehr mild, fast langweilig fein. Eher was für Pfannkuchen-Anfänger.

  • Amber (Rich Taste): Der Klassiker. Bernsteinfarben, schön karamellig.

  • Dark (Robust Taste): Jetzt kommen wir der Sache näher. Das ist das, was wir früher oft als "Grad C" kannten. Kräftig, würzig, perfekt zum Kochen.

  • Very Dark (Strong Taste): Für die Hardcore-Fans. Schmeckt fast schon rauchig und melasse-artig.

Kurz gesagt: Je dunkler, desto mehr Wumms hat er im Geschmack. Such Dir aus, was Dein Gaumen verträgt.

Ist Ahornsirup jetzt gesünder als Zucker oder reden wir uns das nur ein?

Machen wir uns nichts vor: Ahornsirup besteht hauptsächlich aus Saccharose. Es ist Zucker. Wer sich die halbe Flasche über die Waffeln kippt, nimmt nicht ab. Punkt.

ABER (und das ist ein großes Aber): Im Gegensatz zum toten, weißen Zucker bringt der Ahornsirup noch ein paar Freunde mit zur Party. Er enthält Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen. Außerdem eine ordentliche Portion Mangan und Zink. Gut für den Stoffwechsel und das Immunsystem.

Und er hat entzündungshemmende Antioxidantien. Manche Studien behaupten sogar, er lässt den Blutzuckerspiegel nicht ganz so brutal Achterbahn fahren wie Haushaltszucker. Also: Wenn süßen, dann lieber hiermit. Dein Gewissen darf sich also zumindest ein bisschen entspannen.

Wie kann man Ahornsirup selbst herstellen? Spoiler: Vergiss es.

Erinnerst Du Dich an den Teil mit den 40 Litern Saft für einen Liter Sirup? Und daran, dass der Zuckerahorn (Sugar Maple) fast nur in Nordamerika so richtig gut funktioniert?

Klar, Du kannst theoretisch auch Deinen heimischen Spitzahorn im Garten anbohren. Aber erstens finden Bäume das meistens eher ungeil, wenn man Löcher in sie bohrt (Infektionsgefahr und so), und zweitens wirst Du stundenlang Strom oder Gas verballern, um am Ende drei Tropfen Sirup zu haben, der ganz okay schmeckt.

Mein Tipp für den „Eigenanbau“:

  1. Geh in den Supermarkt.

  2. Greif ins Regal.

  3. Bezahl an der Kasse.

  4. Fühl Dich gut, weil Du dem Baum im Garten seine Ruhe gelassen hast.

Das kannst Du mit dem klebrigen Gold anstellen: